Schuldrecht Besonderer Teil 3

Die Durchgriffskondiktion nach § 822 BGB

IV. Die Durchgriffskondiktion nach § 822

329

Prüfungsschema

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Wie prüft man: Anspruch aus S_178/Buch_2/Abschn_8/Titel_26/§_822§ 822

I.

Anspruchsentstehung

 

1.

Bereicherungsanspruch gegen den Verfügenden

 

2.

Unentgeltliche Zuwendung

 

3.

An einen Dritten

 

4.

Enthaftung des Verfügenden

 

5.

Umfang des Anspruchs

 

 

a)

Herausgabe des Erlangten

 

 

b)

Erweiterungen nach § 818 Abs. 1

 

 

c)

Wenn Herausgabe nicht (mehr) möglich: Wertersatz, § 818 Abs. 2

 

 

d)

Kein Anspruch bei fehlender Bereicherung

 

 

 

aa)

Voraussetzungen des § 818 Abs. 3

 

 

 

bb)

Verschärfte Haftung?

II.

Rechtsvernichtende Einwendungen,
insbesondere durch Erfüllung, Aufrechnung, nachträglicher Wegfall des Anspruchs nach § 818 Abs. 3

III.

Durchsetzbarkeit

 

1.

Fälligkeit

 

2.

Einreden

330

Der als Durchgriffskondiktion bezeichnete Anspruch nach § 822 dient der Korrektur als unbillig empfundener Ergebnisse des § 818 Abs. 3. Wenn sich nämlich jemand erfolgreich auf den Wegfall der Bereicherung beruft, weil die Sache nicht mehr in seinem Eigentum ist, und er auch kein Surrogat dafür erhalten hat, geht der Gläubiger einer Kondiktion leer aus.

331

Basiert aber dieser Wegfall der Bereicherung auf einer unentgeltlichen Verfügung (im Regelfall also dem Vollzug einer Schenkung), würde ohne § 822 der ursprüngliche Eigentümer leer ausgehen.

Beispiel

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A übereignet dem B rechtsgrundlos ein Grundstück. B verschenkt dieses Grundstück an seinen Sohn S. A kann zwar gegen B aus der „allgemeinen Leistungskondiktion“ gemäß § 812 Abs. 1 S. 1 Alt. 1 vorgehen. Sein Anspruch scheitert aber im Ergebnis an § 818 Abs. 3, da B wegen der Schenkung nicht mehr bereichert ist und auch kein Surrogat vorhanden ist.

332

Dass S das Grundstück behalten können soll, obwohl er es unentgeltlich von jemandem erhalten hat, der es eigentlich einem anderen zurückzugeben hätte, wird vom Gesetzgeber als unbillig empfunden. Deshalb kann der ursprüngliche Rechtsinhaber (in unserem Fall der A) direkt gegen S vorgehen. Insoweit ist § 822 mit § 816 Abs. 1 S. 2 verwandt. Auch dort soll der, der einen Gegenstand unentgeltlich erhalten hat, ihn nicht auf Dauer behalten dürfen. Allerdings setzt § 816 Abs. 1 S. 2 eine Verfügung eines Nichtberechtigten voraus, während § 822 die Rückabwicklung der Verfügung eines Berechtigten im Blick hat.

a) Bereicherungsanspruch gegen den Verfügenden

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§ 822 verlangt zunächst, dass ein bereicherungsrechtlicher Anspruch gegen den Verfügenden besteht. Diese Primärkondiktion kann jede Kondiktion sein, gleich ob Leistungs- oder Eingriffskondiktion. Sogar § 822 selbst ist eine mögliche Primärkondiktion, dann nämlich, wenn der Dritte, der den Gegenstand unentgeltlich erhalten hat, diesen an einen „Vierten“ unentgeltlich weitergibt.

b) Zuwendung

334

Der Gegenstand muss vom Schuldner der Primärkondiktion dem Dritten (= Schuldner des Anspruchs

§ 822 wird hier als eigene Anspruchsgrundlage behandelt. Auf den Streit, ob § 822 nicht vielmehr ein „verlängerter“ Anspruch ist, wird nicht eingegangen. Siehe Palandt-Sprau § 822 Rn. 1. nach § 822) unentgeltlich zugewendet worden.

335

Definition

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Definition: Zuwendung

Zuwendung im Sinne des § 822 bedeutet jede rechtsgeschäftliche Übertragung.

Damit scheiden alle Erwerbstatbestände, die nicht rechtsgeschäftlicher Natur sind, aus. Dazu zählen insbesondere der Erwerb als Erbe und der Erwerb durch Ersitzung.

336

Diese Zuwendung muss ferner unentgeltlich gewesen sein. Die Unentgeltlichkeit bei § 822 ist genauso auszulegen wie bei § 816 Abs. 1. Auf die Ausführungen dort wird verwiesen.

c) An einen Dritten

337

Dritter im Sinne des § 822 ist (wie bei § 123) nur derjenige, der bei der Primärkondiktion nicht am Geschäft Beteiligte. Kein Dritter ist daher ein Empfänger, der beim die Primärkondiktion auslösenden Rechtsgeschäft als Vertreter eines anderen aufgetreten ist.

2. Übrige Voraussetzungen

338

Bei der Prüfung der weiteren Voraussetzungen des § 816 Abs. 2 kann auf die Ausführungen zu § 816 Abs. 1 verwiesen werden (siehe Rn. 288 ff.). Die Prüfung der rechtsvernichtenden Einwendungen und der Durchsetzbarkeit richtet sich nach den allgemeinen Regeln.

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